Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund


Im Schulleben werden alle Schüler unserer Schule sowohl von Lehrern als auch von Schülern völlig vorurteilsfrei als Schüler und Mitschüler gesehen, wobei es in aller Regel keine Rolle spielt, ob sie Migranten sind bzw. einen Migrationshintergrund haben oder nicht.
Projekte werden stets gemeinsam durchgeführt, Feste zusammen gefeiert, wobei sich Fragen nach der Nationalität einfach an unserer Schule nicht stellen. Gleiches gilt für das gemeinsame Frühstück in den Klassen, wenn Moslems für sich spezielle Wurst mitbringen, wenn Klassen zu Weihnachten Feiern planen oder wenn sich alle Schüler auf dem Schulhof der Kamera mit Plakaten präsentieren, auf denen sie bekunden, dass ihre Stadt keinen Platz für Rechtsextremismus hat.
Auch bei den Wahlen zum Klassen- bzw. Schülersprecher achten die Schüler nicht darauf, wo jemand seine Wurzeln hat.
Natürlich gibt es Rangeleien und Beleidigungen, wie sie überall vorkommen, die aber nie deshalb entstehen, weil der Andere Ausländer ist. Mobbing gegen Ausländer ist bisher  an unserer Schule ebenso unbekannt wie Mobbing von Ausländern gegen Deutsche, wie es in Ballungsräumen an Schulen mit hohem Migrantenanteil vorkommen soll. Durch vorurteils-freies Handeln aller am Schulleben Beteiligten und die den Schülern bekannten engen Beziehungen der Schule z.B. zu verschiedenen Moscheevereinen der Stadt wird Integration an unserer Schule nicht thematisiert, sondern ganz einfach täglich gelebt.

Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse

Wir unterscheiden an unserer Schule zwischen der Förderung in einer speziellen Vorbereitungsklasse (Primärförderung) und der Förderung additiv zum Regelunterricht (Sekundärförderung).
Primärförderung
An der GHS Dümpten ist für die Seiteneinsteiger (Alter 14-18 Jahre) mit keinen oder nur geringen Deutschkenntnissen eine Vorbereitungsklasse fest installiert. Die Förderung wird folgendermaßen durchgeführt:

  • intensiver Deutschunterricht, differenziert und orientiert am individuellen Kenntnisstand und der Leistungsfähigkeit des einzelnen Schülers
  • Fachunterricht in Mathematik, Biologie, Erdkunde, Geschichte, Arbeitslehre Hauswirtschaft, Kunst und Musik in „entlastetem" Sprachniveau
  • Lernziele entsprechen den Anforderungen der Klassen 8/9 (erleichterter Übergang in die Regelklassen)
  • Teilnahme am Unterricht der Regelklassen in Bereichen, in denen Sprache eine untergeordnete Bedeutung hat, z.B. in Sport, bei Projekten und Schulfesten (erleichterte Integration)

Die Inhalte und Zielsetzungen der Förderung im Deutschunterricht sind:

  • systematischer Aufbau aller Fertigkeiten: Sprechen, Schreiben, Lesen, Hören
    • schnelle Progression vor allem des Wortschatzes
    • strukturierte und eher kognitive Grammatikvermittlung
  • stärkere Gewichtung und kontinuierliche Vermittlung von Lesestrategien
  • systematische Vermittlung von Arbeits- und Lerntechniken
  • Arbeit mit dem Wörterbuch / Duden
  • Aufgreifen von für die Schüler besonders schwierigen Rechtschreibproblemen

  
Das Erlernen der deutschen Sprache erfolgt thematisch an Situationen aus dem Schulalltag und Lebens- und Freizeitbereich der Schüler. Regelmäßige Lernstandüberprüfungen und -er-hebungen durch Tests und Klassenarbeiten werden dem individuellen Lernstand der SchülerInnen angepasst und bilden die Grundlage für sinnvolles Üben.
Die Lernentwicklung eines jeden Schülers wird u.a. durch eine Anlage zum Zeugnis doku-mentiert, in der Aussprache, Hörverstehen, Leseverstehen/Lesen, Rechtschreibung, Grammatik und Wortstrukturen, Kommunikationsfähigkeit, freies Formulieren, Verhalten sowie Hausaufgaben/ Heftführung/Unterrichtsmaterialien beurteilt werden.
So wird der Erfolg der Förderung für die Migranten und ihre Eltern transparent.
Über den Lernfortschritt erfolgen regelmäßige Rückmeldungen an Elternsprechtagen und in den Lehrersprechstunden.
Die Inhalte und Zielsetzungen der Förderung im Mathematikunterricht:

  • Zahlen und Bruchzahlen lernen
  • mathematische Fachbegriffe erlernen
  • durch Symbole dargestellte Aufgaben versprachlichen
  • Rechenverfahren versprachlichen
  • schrittweise Erarbeitung von Texten mit mathematischen Inhalten     
  • mathematische Kompetenzen der Jahrgänge 8/9 erwerben.
  •                   

Sekundärförderung
Die Förderung der Schüler mit Migrationshintergrund erfolgt sowohl integriert in den Unterricht als auch additiv zum Unterricht. Dies hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt. In den vergangenen Jahren konnten immer wieder ehemalige Schüler der Vorbereitungsklasse den mittleren Bildungsabschluss erreichen und so eine Ausbildung beginnen bzw. die Fachoberschule oder die gymnasiale Oberstufe besuchen.
Die Schüler werden zur Teilnahme sowohl an Deutschkursen der VHS als auch am Förderunterricht Deutsch der RAA motiviert und angemeldet. Außerdem werden sie nach Rücksprache zur Zertifikatsprüfung „Deutschzertifikat auf dem Niveau B1“ vorbereitet und am Goetheinstitut angemeldet.
Sozialpädagogen begleiten die Schüler im Schulalltag und im Freizeitbereich. Dies geschieht in der Schule u.a. im „Spielekeller", in dem der rücksichtsvolle Umgang miteinander spielerisch gelernt wird. Die Schüler erhalten aber auch Anregungen zur außerschulischen Freizeitgestaltung, z.B. durch eine Stadtrallye oder den Besuch von Sportveranstaltungen und -vereinen.

Weitere Migrantenförderung
In sämtlichen Unterrichtsfächern werden in allen Jahrgängen erhebliche Defizite im Bereich Leseverständnis und Schreiben festgestellt.
Die meisten unserer Schüler, die einen Migrationshintergrund haben, leben in häuslichen Gemeinschaften, in denen ausschließlich die Muttersprache gesprochen und die deutsche Sprache oft gar nicht oder nur lückenhaft beherrscht wird. Gerade für diese Schüler ergeben sich enorme Probleme. Deshalb werden in den Klassen 5 und 6 diverse Tests durchgeführt, um den Rechtschreibstand jedes einzelnen Schülers zu evaluieren; in Förderstunden, zusätzlich zum Deutschunterricht, werden Defizite individuell in Kleinstgruppen aufgearbeitet.

Im Deutschunterricht der Klasse 5 arbeiten die Fachlehrer und der Lehrer, der Förderunterricht erteilt, in enger Absprache. So erfolgt die Aufarbeitung aktueller Probleme sofort durch den Kollegen.
In Klasse 6 erhalten die Schüler mit Migrationshintergrund im Anschluss an den regulären Unterricht additiv Förderunterricht, der in Absprache mit den jeweiligen Deutschlehrern und Fachlehrern erteilt wird.
In den Klassen 5 und 6 werden

  • Wortschatz
  • einfache grammatische Strukturen
  • Leseverständnis
  • aktuelle Arbeit im Unterricht

intensiv in enger Bindung an den Unterricht weiterentwickelt und unterstützt.

In den Klassen 7 und 8

  • erhalten die Schüler jeweils Förderunterricht im Fach Deutsch           
  • wird die Arbeit aus 5/6 fortgesetzt
  • werden die Schüler in der Erstellung selbstständiger Arbeiten (Referate, Vorträge, längere Textarbeit) unterstützt
  • wird der Umgang mit Textinformationen der anderen Unterrichtsfächer (hier auch Mathematik) im Einzelnen erarbeitet.

In den Klassen 9 und 10

  • erhalten die Schüler Förderunterricht im Fach Deutsch
  • findet individuelle Unterstützung bei der Berufswahl statt
  • muss zusätzlich zum Klassenunterricht die Erstellung von Lebenslauf und Bewer-bungsanschreiben unterstützt werden
  • werden Bewerbungsgespräche individuell trainiert.

Schlussbemerkungen
Die besondere Förderung der Schüler mit Migrationshintergrund ist nicht mit einer Förderzeit von 12 Monaten abzuleisten, sondern muss differenziert, individuell und mit veränderten Schwerpunkten in allen Jahrgangsstufen erfolgen. In Sonderfortbildungen wird die Fachkompetenz der Lehrer regelmäßig erweitert. In enger Zusammenarbeit mit der RAA wird versucht Lösungen für schulische, aber auch private Probleme der Schüler zu finden. Die RAA stellt Geldmittel zur individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch zusätzliche Fachkräfte zur Verfügung.


Handout Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Primärförderung
(in VK=selbstständige Klasse)
- intensiver Deutschunterricht (hohe Stundenzahl)
- Fachunterricht auf entlastetem Sprachniveau
- Anforderungen entsprechen Klasse 8/9
Die Inhalte und Zielsetzungen der Förderung im Deutschunterricht sind:
   •     systematischer Aufbau aller Fertigkeiten: Sprechen, Schreiben, Lesen, Hören
        •        schnelle Progression vor allem des Wortschatzes
        •        strukturierte und eher kognitive Grammatikvermittlung
   •     stärkere Gewichtung und kontinuierliche Vermittlung von Lesestrategien
        •        systematische Vermittlung von Arbeits- und Lerntechniken
        •        Arbeit mit dem Wörterbuch / Duden
        •        Aufgreifen von für die SchülerInnen besonders schwierigen Rechtschreibproblemen

Sekundärförderung
( in Regelklasse, additiv)
- zusätzlicher Förderunterricht (eventuell statt Englisch)
- intensive Vorbereitung auf Deutschzertifikat des Goetheinstituts

Weitere Fördermaßnahmen
- Zusammenarbeit mit VHS und RAA

 

 
 
 
 
 
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